Neulich auf der kurzen Welle

Neulich, also genau genommen im Januar 1972, saß ich als junger SWL an meinem ganzen Stolz, einem KW Empfänger Semiconda 68, und lauschte interessiert auf dem zwanzig Meter Band.

Stationen aus Afrika waren auch damals eher selten gesät, um so interessanter fand ich es, eine Station aus dem Kongo aufzunehmen. Dass der OM aus Kinshasa auch noch deutsch sprach, machte den Empfang für mich besonders einfach. Günther war aus Deutschland und arbeitete dort am Flughafen, er hatte eine ordentliche Station, aus meiner Sicht mehr als ordentlich. So konnte ich ihn auch noch viel öfter hören und schickte ihm eine Empfangsbestätigung. Ob als Brief oder als QSL via Baunatal weiß ich heute nicht mehr (den Luxus eigener SWL Karten hatte ich eigentlich nie), umso tiefer hat sich mir aber das Rufzeichen dieser Station eingeprägt – 9Q5MG.

So war die Freude riesengroß, als tatsächlich diese SWL-Berichte mit einer QSL-Karte bestätigt wurden.
Mehrere Jahre zierte diese Karte die kleine Pinwand neben meiner “Station”. Noch heute habe ich sie in meinem QSL-Karteikasten.

Ein Jahr später hatte ich selbst ein Rufzeichen, aber an eine eigene Kurzwellenstation war nicht zu denken. Der Semiconda wurde als Nachsetzer für einen 2m-Konverter benutzt, gesendet wurde dort mit Schrott aus alten Flippern (Zitat aus: Zurück in die Zukunft). Das Interesse an Kurzwelle war weit in den Hintergrund verschoben.

Zeitsprung.

Neulich, also im Dezember 2022 saß ich als nicht mehr ganz so junger OM hinter meinem ganzen Stolz, einem neuen KW-Transceiver, und drehte interessiert über das vierzig Meter Band.

Luxemburger Stationen hört man auch nicht jeden Tag, ich lauschte einem OM aus LX im QSO mit einem OM aus PA0. Der OM aus LX erzählte, dass er nach einigen Jahren in Afrika in Luxemburg sesshaft geworden war und dass er in der Republik Kongo als 9Q5MG qrv war.
Flash.
Nachdem das QSO beendet war, habe ich ihn gerufen und ihm für die Bestätigung meines SWL-Berichtes gedankt. Er hat mir dann erzählt, dass alle Motive auf seinen Karten seinerzeit von einem Künstler handgemalt waren und somit jede Karte ein Unikat ist.

Zur Bestätigung dieser Verbindung habe ich ihm eine meiner übrig gebliebenen QSL Karten von 1974 geschickt. Diese hatte uns Wolfsburgern das Volkswagenwerk gestiftet, mit ein wenig dezenter Käferwerbung. Auch sie ist inzwischen etwas aus der Zeit gefallen.

Selten hat mir ein QSO so viel Freude gemacht, und ich bin mir ganz sicher, nicht nur mir.

QSL Karten standen nie ganz oben auf meiner Interessenliste beim Funk. SWL Karten wurden aber immer beantwortet. Wer mir das wohl beigebracht hat…

Michael
DK6AC

Autor: Jürgen Koch

Stellvertretender OVV Pressereferent

3 Gedanken zu „Neulich auf der kurzen Welle“

  1. Technik, Kommunikation und Sport
    Was macht sie aus, die “Faszination Amateurfunk”, in der heutigen digitalen Zeit, in der wir alle überall und jederzeit vernetzt zu sein scheinen? Jeder Funkamateur wird euch etwas anderes sagen, denn der Amateurfunk ist äusserst vielseitig. Amateurfunk verbindet, Amateurfunk bildet, Amateurfunk rettet Leben und Amateurfunk begeistert . Die Kombination aus Technik, Kommunikation, Experimentieren in verschiedensten Bereichen und Sport hat auch im Zeitalter des Internet ihren Reiz nicht verloren. Ganz im Gegenteil, denn der Amateurfunk bietet dem Technikinteressierten die Gelegenheit, sich mit den Grundlagen der Kommunikationstechnik zu beschäftigen und Kommunikationsmöglichkeiten wie Funkbetrieb über Satelliten zu nutzen, die nicht jedermann offen stehen – Amateurfunk ist tatsächlich weit mehr als “Funken”. Tablets, Smartphones, App’s, schnelles Internet, leistungsfähige PC’s usw. stehen “jedem” zur Verfügung – da ist die Erlangung der Amateurfunklizenz durch das Bestehen der technisch anspruchsvollen Prüfung bei der BNETZA für viele, vielleicht auch genau für DICH eine willkommene Herausforderung .mateurfunk ist ein Technisches Hobby – Amateurfunk ist aber ganz einfach auch Kommunikation in ihrer direktesten und ehrlichsten Art. Kürzlich hat mich ein Reporter von RADIO DARC in einem Interview gefragt, warum es denn heute die Möglichkeit der Kommunikation über Amateurfunk überhaupt noch brauche – wir hätten ja auch WhatsApp, Facebook und Skype, die uns allen für unsere Kommunikation untereinander zur Verfügung stünden. Viele von uns – auch von uns Funkamateuren – nutzen tatsächlich auch gerne diese “Sozialen Medien” als Ergänzung zu unseren persönlichen Kontakten, die wir in unserem Alltag pflegen, und kommunizieren darüber gezielt mit Verwandten und Freunden. Viele lizenzierte Funkamateure weltweit haben sich gerade während der Corona-Pandemie daran zurück erinnert, dass sie auch im Besitz von betriebsbereiten Amateurfunk-Kommunikationsanlagen sind, über die sie – unabhängig von öffentlichen Kommunikationseinrichtungen und unabhängig vom Internet – miteinander in Kontakt treten können. Funkamateure telefonieren deshalb nicht, sie kommunizieren über Funk mit Gleichgesinnten rund um den Globus und tauschen sich aus. Anders als bei einer herkömmlichen Telefonverbindung besteht die Verbindung dabei nicht nur zwischen 2 Teilnehmern, sondern es bilden sich sehr rasch sogenannte “Runden” – quasi wie in einer Telefonkonferenz mit mehreren Teilnehmern. Man erfährt dabei von anderen Funkamateuren viel Interessantes über deren Kultur oder über eine allfällige aktuelle besondere Lage wie z.B. bei einer Naturkatastrophe – auch dann, wenn öffentliche Kommunikationseinrichtungen nicht mehr funktionieren – völlig ungefiltert und “hautnah”. Neben dem Technischen Aspekt des vielseitigen Hobbys Amateurfunk und der Möglichkeit die Kommunikation im Falle von Ausfällen der öffentlichen Netz-Infrastruktur infolge von Naturkatastrophen aufrecht zu erhalten, leistet Amateurfunk durch den Austausch zwischen Menschen in verschiedenen Gesellschaftsschichten und unterschiedlichen Kulturen auch einen wertvollen Beitrag an die Aufrechterhaltung von Sozialen Kontakten auch in weltweiten Krisen wie der abklingenden Coronavirus-Pandemie. vy73 Euer KLAUS – DL9PA aus HALDENSLEBEN!

  2. An Deinen Semiconda kann ich mich noch gut erinnern Michael. Irgend einer der anderen Altersgenossen in WOB, ich weiss nicht mehr wer das war, hatte sich damals einen deutlich einfacheren Kurzwellenempfänger mit “Spezial-Kurzwellendrehko” bei Radio-Rim gekauft. Er konnte damit immer nur den Deutschlandfunk auf Mittelwelle empfangen. Ca. 1974 durfte ich mir dann auch endlich einen Empfänger anschaffen. Das war ein Trio 9R59DX, auch “der Läufer” genannt. In Verbindung mit einem damals schon uralten Eigenbau-TX von DJ6GN, der mindestens genauso schnell lief wie der Trio (leider in die andere Richtung) habe ich etliche tausend QSOs auf Kurzwelle gefahren, in CW und in trägergesteuerter AM.

    1. Danke für den Bericht, der Erinnerungen wach werden lässt. Auch ich hatte als ersten KW-RX einen Semiconda 68, allerdings nicht im Original-Gehäuse. Die Lausen-Bausteine dafür hatte ich in ein Blechgehäuse eingebaut, bei dem ich die Frontplatte mühevoll mit der Laubsäge bearbeitet hatte. Und dieser Empfänger diente zusammen mit einem AM/CW-Sender bestehend aus einem Geloso-VFO und einer Fernseher-Zeilenendröhre PL36 als Funkstation. Da die PL36 für die Heizung 17 Volt benötigte, kam auch der Märklin-Eisenbahntrafo zu Ehren. Und mein Musikverstärker mit 2 x EL84 und selbst geätzter Platine wurde kurzerhand als Modulationsverstärker zweckentfremded 🙂
      Weil ich 1968 als Schüler eine der letzten AM-Stationen in H24 betrieb, habe ich über viele Wochen den vom OVV Gerd Schnabel (DJ7GS) veteilten DARC-Rundspruch auf 80 m von Detmerode aus verlesen, denn viele SWLs konnten damals noch keine SSB-Signale aufnehmen.

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