Ein Funkempfänger, eine Antenne und ein Smartphone oder Computer: Damit lässt sich ein Stück Raumfahrt nach Hause holen. Bei besonderen Aktionen sendet die Internationale Raumstation ISS Bilder per Amateurfunk zur Erde. Auch in Wolfsburg und Umgebung können wir diese Signale empfangen und daraus Bilder entstehen lassen.
Was ist SSTV?
SSTV steht für „Slow Scan Television“. Anders als beim Fernsehen werden einzelne Standbilder übertragen. Die Bildinformationen stecken in hörbaren Tönen, die ein Programm wieder in ein Bild umwandelt. Aus dem Lautsprecher kommen zunächst ungewohnte Klangfolgen – auf dem Bildschirm entsteht daraus nach und nach das Motiv.
Die Bilder werden im Rahmen angekündigter Aktionen gesendet. Ein Überflug allein bedeutet deshalb noch nicht, dass gerade SSTV zu empfangen ist. Zuerst lohnt sich ein Blick auf die aktuellen SSTV-Ankündigungen von ARISS.
2026-11-05 Expedition 75 Series 35 „Space Memories“
Begins Monday, November 9 time TBD
Concludes Monday, November 16, 2026 time TBD
Images will be transmitted at 437.550 MHz (+/- Doppler shift) using Robot 35 SSTV mode for 36 seconds transmission, two minutes off.
Submit your original decoded images to the SSTV gallery for event certificate.
Wann fliegt die ISS über Wolfsburg?
Für den Empfang muss sich die ISS über unserem örtlichen Horizont befinden. Das Empfangsfenster dauert bei einem günstigen Überflug nur wenige Minuten. Vorbereitung lohnt sich also!
Hier die ISS-Überflüge für Wolfsburg bei Heavens-Above aufrufen
Prüft dort, ob Wolfsburg als Standort eingestellt ist, und lasst euch alle Überflüge anzeigen. Für Funkempfang muss die ISS nicht mit bloßem Auge sichtbar sein: Auch bei Tageslicht oder bewölktem Himmel kann der Empfang funktionieren.
Diese Angaben helfen bei der Auswahl:
| Angabe | Was bedeutet das? |
|---|---|
| Beginn / AOS | Die ISS steigt über den Horizont. Gebäude oder Bäume können den Empfang zunächst noch verhindern. |
| Maximale Höhe / Elevation | Höhe über dem Horizont in Grad: 0° liegt am Horizont, 90° direkt über euch. |
| Richtung / Azimut | Zeigt, aus welcher Himmelsrichtung die ISS kommt und wohin sie fliegt. |
| Ende / LOS | Die ISS verschwindet wieder unter dem Horizont. |
Für den Einstieg sind hohe Überflüge besonders interessant, beispielsweise mit mehr als 30° maximaler Elevation. Achtet außerdem auf die Zeitzone: ARISS nennt Termine häufig in UTC. In Deutschland gilt im Winter UTC + 1 Stunde, im Sommer UTC + 2 Stunden.
Was braucht ihr?
- Einen passenden FM-Empfänger: beispielsweise ein Handfunkgerät, einen Scanner oder einen SDR.
- Eine Antenne für das verwendete Band: Eine Handfunkgeräteantenne kann bei günstigen Bedingungen reichen. Eine kleine Richtantenne verbessert die Empfangschancen.
- Ein Smartphone oder einen Computer mit SSTV-Decoder: Die Software muss den für die Aktion angekündigten SSTV-Modus unterstützen.
- Einen Standort mit möglichst freiem Blick zum Himmel.
Für einen einfachen Versuch kann das Mikrofon des Smartphones den Ton direkt am Lautsprecher des Funkgeräts aufnehmen. Eine direkte Audioverbindung zum Computer ermöglicht einen Empfang ohne störende Umgebungsgeräusche.
Welche Frequenz und welcher Modus?
Maßgeblich ist immer die Ankündigung der jeweiligen Aktion. Ältere Anleitungen nennen häufig 145,800 MHz und den Modus PD120. Bei den zuletzt angekündigten Aktionen im Oktober 2026 wurden dagegen folgende Einstellungen verwendet:
| Einstellung | Wert |
|---|---|
| Sendefrequenz | 437,550 MHz |
| Betriebsart des Empfängers | FM |
| SSTV-Modus im Decoder | Robot 36 |
| Dauer eines Bildes | etwa 36 Sekunden |
| Pause zwischen den Bildern | etwa zwei Minuten |
Der Name des Decoderprogramms und der eingestellte SSTV-Modus sind dabei zwei verschiedene Dinge. Prüft vor dem Überflug, ob der richtige Modus ausgewählt ist.
Warum muss man die Frequenz nachstellen?
Die ISS bewegt sich sehr schnell relativ zu unserem Standort. Dadurch erscheint ihre Sendefrequenz beim Anflug etwas höher und beim Wegflug etwas niedriger. Dieser Dopplereffekt macht sich auf 437 MHz deutlich bemerkbar.
Für eine Aussendung auf 437,550 MHz gibt ARISS folgende grobe Orientierung:
| Überflugphase | Ungefähre Empfangsfrequenz |
|---|---|
| Anflug nahe dem Horizont | 437,560 MHz |
| Weiterer Anflug | 437,555 MHz |
| Nahe der größten Annäherung | 437,550 MHz |
| Wegflug | 437,545 MHz |
| Wegflug nahe dem Horizont | 437,540 MHz |
Diese Werte lassen sich als fünf aufeinanderfolgende Speicherkanäle vorbereiten. Der Wechsel erfolgt nach Empfangslage; die Tabelle gibt keine festen Umschaltzeiten vor.
So gelingt der erste Versuch
- Aktion prüfen: Sendezeitraum, Frequenz und SSTV-Modus in der aktuellen ARISS-Ankündigung nachsehen.
- Überflug auswählen: Einen möglichst hohen Durchgang für den eigenen Standort suchen.
- Technik vorbereiten: Decoder starten, Audioübertragung testen und Frequenzen einstellen.
- Frühzeitig bereit sein: Einige Minuten vor dem berechneten Beginn einen freien Empfangsplatz aufsuchen.
- Empfang optimieren: Die Antenne vorsichtig drehen oder neigen und auf das klarste Signal achten. Die Rauschsperre möglichst öffnen, damit schwächere Signale nicht abgeschnitten werden.
- Bild speichern: Auch ein unvollständiges Bild ist ein erster Erfolg. Eine Tonaufnahme ermöglicht später einen weiteren Decodierversuch.
Bleibt zwischendurch ruhig dran: Eine Sendepause zwischen zwei Bildern gehört zum Ablauf und bedeutet nicht automatisch, dass der Empfang nicht funktioniert.
Zeigt uns eure Bilder aus dem All!
Ihr habt ein Bild von der ISS empfangen? Dann zeigt es uns beim nächsten OV-Abend! Spannend sind neben dem Bild auch die verwendete Ausrüstung, euer Empfangsort und die Uhrzeit.
Empfangene Bilder können außerdem in der ARISS-SSTV-Galerie eingereicht werden. Hinweise zu Teilnahmezertifikaten und Fristen findet ihr dort zur jeweiligen Aktion.
Viel Erfolg beim Empfang und vy 73
Euer DARC-Ortsverband Wolfsburg H24
Stand der Frequenz- und Veranstaltungsangaben: 07. November 2026. Änderungen und Unterbrechungen des Funkbetriebs an Bord sind möglich.

Mit Geduld und ruhiger Hand entsteht der eigene Morse-Oszillator.







