Als Afu-Mentor in China unterwegs – Ergänzung

Wie funktioniert eigentlich Amateurfunk in China, und wird dort auch Nachwuchs ausgebildet? Diese Frage hatte ich mir schon lange gestellt, zumal ich häufiger in diesem Land unterwegs bin.

Stationen mit den Rufzeichen-Prefixen BA, BD, BG und BH hört man nur selten auf den Bändern. Lange Zeit ist es mir nicht gelungen, Kontakte zu dortigen Hobbyfreunden herzustellen, denn in China stellt die Sprachbarriere für uns Europäer doch ein erhebliches Hindernis dar.

Mittlerweile weiß ich etwas mehr, und konnte im Laufe des vergangenen Jahres sogar einem angehenden OM in China auf seinem Weg zur Lizenz begleiten und unterstützen.

Am 31.10.2018 hat der neue OM sein Rufzeichen erhalten: BH3DXU.

Frisch lizensierter Funkamateur Zhang Xu in Tianjin/China und sein „Mentor“, DL1OD

Zhang Xu ist 35 Jahre alt, promovierter Ingenieur Ph. D. und arbeitet als Test-Ingenieur in einem großen, staatlichen Labor für Elektromagnetische Verträglichkeit in Tianjin, eine gute Autostunde von Peking entfernt. Wir hatten uns bereits bei meinem Besuch im vergangenen Jahr in China kennengelernt.

Tianjin ist eine wichtige Hafenstadt in China und liegt am Ostchinesischen Meer. Sie beherbergt heute in ihrem Kerngebiet fast 4 Millionen Einwohner und hat sogar einen eigenen Radioclub, die „Tianjin Amateur Radio Association“.

Die Wurzeln Tianjins reichen bis ins 11. Jahrhundert zurück, und die Geschichte der Stadt und ihrer Vorläufer war immer eng mit der Geschichte von Chinas Hauptstadt Peking verknüpft.

Das moderne Tianjin mit fast 4 Millionen Einwohnern im Zentrum, im gesamten Ballungsraum wohnen knapp 7 Millionen Menschen
Eingang zur malerischen Altstadt von Tianjin

Zurück zu Zhang Xu: Alte Radios und Funktechnik haben ihn schon in jüngeren Jahren begeistert. Als wir uns bei meinem Labor-Besuch im letzten Jahr kennenlernten, erzählte er mir von seinem Interesse an einer Amateurfunkzulassung. Die erforderlichen Technikkenntnisse bringt der angehende OM bereits berufsbedingt mit, und der Rest läßt sich bekanntlich lernen. Ich hatte ihn deshalb ermutigt, sich baldmöglichst für die Amateufunkprüfung in China anzumelden.
Und das hat jetzt geklappt – im September hat Zhang Xu seine Prüfung zur A-Lizenz in China bestanden!

Amateurfunk wird in China seit 1994 als Sportart staatlich gefördert. Dachverband ist der CRAC, „China Radio Amateur Corporation“, und es gibt lokale Verbände wie die TJARA, „Tianjin Amateur Radio Association“.

Logo und Banner der „Chinese Radio Amateur Association“ CRAC

Die ehemals vier Lizenzklassen in China sind in 2013 auf drei reduziert worden, A, B und C. Für die Einsteigerklasse A muß man 90 Fragen aus einem Questionnaire mit insgesamt 300 Fragen beantworten. Die Gliederung der Prüfung ist ähnlich wie bei uns, in Vorschriften, Betriebstechnik und Technik.
Mit der A-Lizenz ist in China nur der Betrieb auf Frequenzen oberhalb 30 MHz erlaubt. Frühestens ein halbes Jahr später kann man die Prüfung der Klasse B abolvieren. Hiermit darf dann auch Betrieb auf Kurzwelle gemacht werden. Erst mit der C-Lizenz darf man dann auch mit größeren Sendeleistungen arbeiten.
Während Die Prüfungen für die Klassen A und B der regionale Radioclub abnehmen darf, muß die Prüfung für die höchste Stufe C beim Dachverband der Funkamateure, dem CRAC abgelegt werden.

Hier eine aktuelle Übersicht zu den Lizenzklassen in China:

Klasse A – Einsteiger, Prefix BG und BH
30 MHz – 3 GHz mit maximal 25 Watt

Klasse B – Fortgeschrittene, Prefix BD
Kurzwelle mit maximal 100 Watt
30 MHz – 3 GHz mit maximal 25 Watt

Klasse C – Profis, Prefixe BA
Leistung auf Kurzwelle bis 1 kW
30 MHz – 3 GHz mit 25 Watt.

Rufzeichengebiete in China (Quelle: www.crac.org.cn)

Trotz bestandener Amateurfunkprüfung kann man die Zulassung zum Amateurfunkdienst nicht so einfach erwerben, wie dies bei uns in DL möglich ist. Hierzu muß erstmal eine Funkanlage aufgebaut, und von einer behördlichen Stelle abgenommen werden. Erst dann wird ein Rufzeichen zugeteilt. Prüfung und Zulassung sind in China kostenlos.

So sieht ein Amateurfunkzeugnis in China aus – Xu Zhang’s Klasse A-Bescheinigung

Zhang will zunächst eine leistungsstarke VHF/UHF-Anlage in sein Fahrzeug einbauen und damit Mobilfunkbetrieb durchführen. Wie er mir berichtete, sei insbesondere auf dem 2 m-Band z. T. sehr viel los, denn auf den Amateurfunkfrequenzen trifft man in China auch die Taxifahrer an! Später möchte er gerne auch Kurzwellenbetrieb machen.

Am 31.10.2018 hat Zhang seine Zulassung zum Amateurfunkdienst in China erhalten – BH3DXU. Die Rufzeichen werden in China nach dem Zufallsprinzip vergeben – und Zufällig taucht im Suffix Zhang’s Familienname auf: Xu
Logo des Tjanjin Amateur Radio Club, www.tjara.org

Wer gerne mal näher in die Amateurfunkwelt Chinas hineinschnuppern möchte, wird im Internet unter www.tjara.org oder unter www.crac.org.cn fündig. Nicht erschrecken – die vollständig in chinesischen Schriftzeichen erstellten Seiten lassen sich z. B. mit Google- oder Bing-Übersetzer leicht ins Englische oder ins Deutsche übersetzen. Ihr werdet erstaunt sein, was ihr dort alles erfahren könnt und daß es auch in China eine lebhafte Amateurfunk-Community gibt. Man findet dort übrigens auch Antragsformulare für Gastlizenzen in China.

Hier ist Zhang’s Arbeitsplatz – im EMV-Labor in Tianjin

Herzlich willkommen in der Amateurfunk-Community, Zhang Xu!
Viel Erfolg dem neuen OM auf den Bändern, und vielleicht hören wir uns bald mal auf Kurzwelle!

73 aus (derzeit) China,

Christian, DL1OD

7 Gedanken zu „Als Afu-Mentor in China unterwegs – Ergänzung“

    1. Hi, I’m Zhang Xu (BH3DXU ), although it has its long history back to 1923s,modern Afu community in China has only been allowed in the last twenty years(in the name of sports affair), before that, in the cold war, this sports affair was focused only in the enemy spy positioning. Competitions are held for the speed of positioning and running toward the hidden transmitter till now.
      like this:
      http://www.sohu.com/a/251476603_655326
      some 1930s‘ early amateur radio pics can be found here:
      http://www.docin.com/p-1971350750.html

      Nice to get contact with you

      1. Dear Zahng Xu,

        congratulations to your new license and welcome in the comunity of ham radio amateurs. I also visited sometimes China for business reasons and I can imagine how difficult it is to go on the air. Perhaps only with local amatauer radio clubs in public areas like university this is a bit easier. I hope in the near future we can get in contact on a short wave frequency below 30 MHz. But to start with VHF/UHF portable or mobile in a car is a good option.

        vy 73 de Lutz, DL1RNN

  1. Hallo Christian,

    ein toller Artikel aus der „geheimnisvollen Welt“ im Osten der Erdkugel.
    Der Zugang, um eine Funkstation zu betreiben, erinnert mich an alte Zeiten in
    der DDR. Eigenbaustation > Testbetrieb>Abnahme durch die Behörde>Funken.

    73 de
    Jürgen, DF3OL

  2. Hallo Christian,

    toller Artikel (+Bilder) aus einer Welt, von der immer noch nicht viel bekannt ist.
    Dir einen guten Aufenthalt und komme gesund wieder, wir brauchen „Pauker“

    73,
    Bernd, DL5BL

  3. Stellt euch bitte mal vor, ihr betreibt eine Kurzwellen-Funkanlage in einer typischen chinesischen 80 qm-Wohnung. Diese befindet sich in einem landesüblichen, kleineren Hochhauskomplex. Der hat, sagen wir mal, 6 Hochhäuser x 40 Stockwerke x 10 Wohnungen pro Etage = 2.400 Wohnungen in engster Nachbarschaft.
    In jeder dieser durchschnittlichen Wohnung gibt es so ca. 12 LED-Leuchten und ca. 8 elektronische Geräte. Das sind dann rund 48.000 potentielle Störquellen in Eurer unmittelbaren Nachbarschaft. Und wir wissen ja, das diese nicht immer alle störungsfrei sind. 😉 – Störpegel mit S7 bis S8 wären dann wohl eher noch ein Glücksfall.
    In Hongkong wären die Störpegel unter vergleichbaren Bedingungen sogar noch 3 dB höher. Warum? Weil in Hongkong die Hochäuser doppelt so hoch sind wie in China, 80 anstatt 40 Stockwerke.

    73 und störungsfreien Empfang,

    Christian, DL1OD

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