Von schlechten Antennen, kleinen Leistungen und großartigen Betriebsarten

Ein Beitrag von Michael, DK6AC




Im Herbst und im Winter spielt man ja gerne mal wieder zu Hause mit der Station.

Meine Antennensituation war lange Zeit sehr eingeschränkt, und ich hatte nur einen auf Holzständerbalken gewickelten, abgewinkelten „Tarn-Dipol“, zur Verfügung. Selbst aus einem Meter Entfernung war dieser kaum als Antenne zu erkennen.

SSB-Verbindungen waren damit natürlich nur mit großen Einschränkungen möglich, selbst wenn ich die Dipolenden mit den Dachrinnen verlängert habe.

Die bei meinem Wiedereinstieg in den Amateurfunk neu aufgekommenen digitalen Betriebsarten WSPR und JT65 boten – bei aller Unpersönlichkeit dieser Verbindungen – immerhin die Chance, überhaupt solche zu bekommen.

Auch wenn es für ernsthaftes DX-en kaum ausreichen wird, ist es doch immer wieder interessant, mit wie wenig Aufwand man ferne Stationen erreichen kann. Nicht immer, aber wenn es geht, dann geht es.

Wenn denn nun schon die Antenne nicht besonders gut ist, kann man ja auch gleich versuchen, das mit geringer Leistung auszugleichen ….

Ein kleiner Universal-Transceiver wie der FT-817 kann nun mal nicht mehr als 5 Watt erzeugen. So bin ich auf den QRP-Geschmack gekommen und habe mit dieser Kombination von Nicht-Antenne und QRP-Sender über die Jahre viele schöne Verbindungen mit allen Kontinenten zustande gebracht.

Heute war ich dann aber doch überrascht.
Nach einer lästigen, mehrstündigen Rechnerbastelei, die notwendig war, um den N1MM Logger für den Weihnachtscontest vorzubereiten, wollte ich nur kurz schauen, ob der kleine QRP-Transceiver nun auch noch mit dem Rechner spielt.
Dazu kurz WSJT aufgerufen und einen FT8 Dummy-CQ Ruf getätigt, da lässt sich ja prima sehen, ob die Fernsteuerfunktionen alle noch – oder wieder funktionieren. Um niemanden groß zu stören habe ich dazu den TRX auf 40 m mit 0,5 Watt gestellt – und bekam sofort eine Rückantwort von einer Station aus 9A, also Kroatien, mit einem Rapport von -6 dB. Auch wenn ich in diesem Herbst einen etwas besseren Dipol aufhängen konnte, das hatte ich nicht erwartet.
Anschließend habe ich die Leistung weiter reduziert und es mit 0,25 und 0,125 Watt probiert.
Es hat zwar niemand mehr geantwortet (DL ist ja nun auch nicht das gesuchte DX Land), aber im PSK-Reporter waren jeweils mehrere Einträge aus Europa mit Rapporten von -11 dB bis -15 dB, also etwa 10 dB von der Systemgrenze entfernt, eingetragen.

Theoretisch hätten diese Stationen mein Signal auch noch mit 12,5 mW decodieren können.
Spätestens jetzt bekomme ich tatsächlich Angst vor den unerwünschten Abstrahlungen von induktiven Ladestationen, die wir demnächst zu erwarten haben.

Wie effektiv diese schmalbandigen, mit viel Redundanz belegten digitalen Systeme sind, zeigt aber auch eine andere Episode aus dem Kapitel „Upps“.

Im Oktober 2019, also nicht gerade zur Bestzeit der Sonnenaktivitäten, habe ich meine Station häufiger auf 40 m im Mode WSPR betrieben. Eine Aussendung dauert zwei Minuten, danach hört man etwa 10 Minuten auf die Aussendungen anderer Stationen.
Kurz vor Ende meiner ersten Aussendung fiel mir der unerwartet hohe Ausschlag auf dem Instrument des Transceivers auf, und ich fragte mich, warum denn das SWR so hoch ist. Aber oh Schreck – das war nicht das SWR, was angezeigt wurde, sondern die Ausgangsleistung. Statt der erwarteten 5 Watt, die bei WSPR schon als sehr reichlich gelten, habe ich versehentlich mit etwa 85 Watt gesendet, also quasi als Schreihals unter Flüsterern.

Interessant war aber das Ergebnis, das kurz darauf im WSPR-Net angezeigt wurde.

WSPR-Grafik von DK6AC

Wie gesagt – das war ein einziger Durchgang von zwei Minuten an einem nur mäßigen Dipol, und nicht das Ergebnis eines ganzen Tages.
WSPR hat eine Bandbreite von etwa 6 Hz, ist also um den Faktor 450 schmaler als ein SSB Signal.
In SSB hätte ich also etwa 38 Kilowatt für dieses Ergebnis benötigt. Da wäre der Dipol verglüht.

Warum präsentiere ich das hier? Nein, ich will niemanden zum Nachmachen animieren, ganz im Gegenteil. Diese Schmalband-Betriebsarten ermöglichen die Decodierung von extrem leisen Signalen, so lange der Empfänger auf dem schmalen, dafür vorgesehenen Kanal nicht komplett zurückregeln muss, weil er, z. B. in FT8 in einem 2,7 kHz-Kanal etwa 50 Stationen mit jeweils S9+30 dB vorgesetzt bekommt. Dann ist es vorbei mit den 125 mW-Verbindungen nach Kroatien, und das ist doch eigentlich schade.
Also – keine Angst vor kleinen Leistungen und schlechten Antennen – irgendetwas geht immer.
Na ja, fast immer.

vy 73
Michael
DK6AC

3 Gedanken zu „Von schlechten Antennen, kleinen Leistungen und großartigen Betriebsarten“

  1. Hallo Michael,
    vielen Dank für den schönen Artikel. So „schlecht“ scheint die Antenne nun auch wieder nicht gewesen zu sein. Immerhin hast Du ja was erreicht. Ich mache schon seit Jahren Betrieb mit kleinen Leistungen und mit ausschließlich selbstgebauten Antennen. Es funktioniert sehr gut. Im Laufe der zeit habe ich meine Antennen immer mehr optimiert. Jetzt bin ich mit Resonanzen Antennen (ohne Tuner) unterwegs. Den FT817 nehme ich immer seltener. mit. Ich habe den QCX und jetzt den LNR Mountaintopper für mich entdeckt. Damit geht zwar nicht FT8 oder PSK….aber CW ist ja auch ein Stück weit digital!
    Weiter viel Spaß am tollen Hobby…
    73, de Peter DL4ABB

  2. Sehr schöner Artikel. Bestätigt meine Erfahrungen, dass man auch mit einem Stück Draht, versteckt im Baum, gute Verbindungen in die ganze Welt bekommt. Bei mir war es mal ein QSO mit VP8 in FT8 im September 2019. Das sorgt dann kurzfristige Begeisterungsstürme .

  3. Hallo Michael,

    willkommen im neuen Jahr! …und bleib GESUND!

    Danke für deinen Beitrag. Es ist wirklich immer wieder erstaunlich, wie die Reduzierung der Bandbreite und die damit verbundene höhere „Leistungsdichte“ zu solchen Reichweiten führt. Ganz ähnliche Erfahrungen habe ich vor Jahren mit der RTTY-Betriebsart PSK31 (FSK31) gemacht. Da sind ca. 50 Hz Bandbreite ausreichend, was bedeutet: 20 W in PSK31 entsprechen ca. 1000 W in SSB. Oder anders ausgedrückt: Die Leistungsdichte beträgt 0,4 W/Hz bei PSK gegen 0.0074 W/Hz bei SSB (2,7 kHz Bandbreite).

    Wenn ich das damals (in den Jahren 2000 bis 2003) so vorgetragen habe, kamen von etlichen OMs (die heute mit Begeisterung in FT8 qrv sind) so Aussagen wie: Alles schön und gut, aber solche PC-Betriebsarten kommen für mich nicht in Frage, …da ist ja das ganze QSO schon im Speicher, …demnächst fährt der PC die QSOs allein…

    Tja, so ändern sich die Zeiten…
    73! Peter, DJ7GP

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