OV-Ausflug nach Dessau

Schon vor längerer Zeit hatten wir geplant, einmal den Funkflohmarkt in Garitz, zwischen Zerbst und Dessau in Sachsen-Anhalt gelegen, zu besuchen. Dieser Flohmarkt war zu DDR-Zeiten eine Institution der Funkamateure, gab es doch viele Dinge nicht zu kaufen, aber vielleicht doch zu tauschen. Am 6. Oktober 2018 war es dann soweit, und der erste Treffpunkt sollte in Garitz am Ausstellungshotel sein.

Da die Adresse des Hotels „Am Weinberg 1“, in dem der Flohmarkt traditionell stattfindet, unter derselben Postleitzahl auch in der Stadt Zerbst zu finden ist, landeten einige ortsunkundige Fahrer, die sich auf ihr Navi verließen, zunächst mitten in Zerbst. Aber Google Maps wusste Rat, und das Ziel in Garitz, einem Ortsteil von Zerbst, konnte bald darauf angesteuert werden. Der Flohmarkt hat offenbar seine besten Tage hinter sich, wie an einigen nicht belegten Verkaufstischen zu sehen war. Das Angebot bestand zum großen Teil aus alten Radios und historischen Bauteilen, und für Funkamateure war nicht allzuviel dabei.

Funkflohmarkt Garitz, Ort zum Klönen und Fachsimpeln für Radiobastler

Während einige der Teilnehmer noch im Hotel das Mittagessen einnahmen, nutzte der Autor dieses Berichts die Zeit für einen Besuch des Bauhauses in Dessau, das seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts Treffpunkt von Freunden der „Bauhaus Architektur“ ist.

Aber das eigentliche Ziel war ja das Junkers-Museum in Dessau, das das Lebenswerk dieses berühmten Ingenieurs und Unternehmers vorstellt. Am bekanntesten sind sicherlich die Junkers-Flugzeuge, aber auch Gasgeräte werden bis heute unter diesem Namen gefertigt und vertrieben. Hugo Junkers lebte von 1895 bis 1935. „Anfänglich als Konstrukteur von Gasthermen bekannt, entwickelte Junkers als Hochschullehrer und Forscher, Ingenieur und Unternehmer grundlegende Erkenntnisse im Flugzeugbau, wie Ganzmetallbau und gewellte Struktur.

Gedenkbüste von Hugo Junkers

Daneben stellte sein Konzern auch Flugmotoren her. Er gründete die Fluggesellschaft Junkers Luftverkehr AG, die 1926 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten und auf Druck der Reichsregierung mit dem Deutschen Aero Lloyd zur Luft Hansa fusionierte. Infolge der Weltwirtschaftskrise gerieten die Werke 1932 in finanzielle Schwierigkeiten. Da er als Demokrat und Pazifist den Nationalsozialisten im Wege stand, wurde er 1933 enteignet und erhielt Stadtverbot für Dessau. Er wurde gezwungen, angeblich um sich wissenschaftlicher Forschung zuzuwenden, die Leitung seiner Werke aufzugeben und sich nach Bayrischzell in Bayern zurückzuziehen. Zwei Jahre später, genau an seinem 76. Geburtstag, starb er und wurde auf dem Waldfriedhof in München begraben“ (Auszug aus „Wikipedia“).

Auch die Anfahrt zum Junkers-Museum war wegen einiger gesperrten Straßen und Kreuzungen voller Tücken aber schließlich waren alle Teilnehmer der OV-Fahrt vor Ort und wurden von weitem schon von einer Turboprop-Passagiermaschine IL14 auf dem Freigelände begrüßt.

Iljuschin 14 im Freigelände vor dem Museum (in Dresden gefertigt)

Als wir vor dem Museum – auf die letzten Teilnehmer wartend – mit dem Leiter des Museums ins Gespräch kamen, erzählte er davon, wie vor kurzem in der IL14 Aufnahmen für einen Film über eine Flugzeugentführung durchgeführt worden waren.
Er erzählte auch, wie nach dem Krieg in Dresden in den Jahren 1958–1961 das erste deutsche Passagierflugzeug mit Düsenantrieb entwickelt worden war,  das nach seinem Konstrukteur Baade 152 benannt wurde. Wegen wirtschaftlicher, politischer und technischer Probleme ist es aber nie über den Prototypenstatus hinaus gekommen. Da der „große Bruder“ Sovietunion einen eigenständigen Flugzeugbau in der DDR nicht wollte, musste das Projekt eingestellt werden. Als Kompensation „durfte“ das Flugzeugwerk Dresden dann die IL 14 nachbauen. Modelle des innovativen Flugzeuges Baade 152 werden in der Ausstellung im Museum gezeigt.

Die Hauptattraktion im Museum ist eine gut erhaltene JU52, die 1989 aus einem See in Nord-Norwegen geborgen wurde, auf dessen vereister Fläche sie zusammen mit 9 weiteren Flugzeugen dieses Typs im Jahr 1940 nach einem miliärischen Einsatz gelandet war und wegen Treibstoffmangels nicht wieder starten konnte. Eine weitere JU52, die auch aus diesem See geborgen wurde, hatte der OV im Mai 2016 am Fliegerhorst Wunstorf besichtigt.

Die Besuchergruppe vor der JU52 im Hugo-Junkers-Museum in Dessau

Eine weitere Museumsattraktion ist ein Nachbau des ersten Ganzmetallflugzeuges der Welt, der F13, das im Jahr 1919 zum ersten Mal flog und weit über die deutschen Grenzen hinaus Kunden fand. 4 Passagiere fanden bequem darin Platz.

Der Nachbau der Junkers F13, dem ersten Ganzmetall-Passagierflugzeug der Welt

Bevor er sich dem Flugzeugbau widmete, hatte Hugo Junkers enge Verbindungen zu den Bauhaus-Architekten und entwickelte u.a. moderne Gasheizgeräte und Durchlauferhitzer für den Wohungsbau Noch heute ist der Name Junkers für derartige Geräte ein Begriff.

Ein historisches Werbeplakat

Über die ATV-Kontakte des OV H24 nach Dessau hatte Reinhard, DL3AAV, nach dem Museumsbesuch einen Besuch im Clubheim des OV Dessau verabredet. Die Antennenfarm der Clubstation mit dem großen Kurzwellenbeam auf einem 30m Gittermast in der Nähe des Museums wies uns den Weg dorthin. Winni, DL3HQD, nahm uns in Empfang und führte uns über das Gelände, das sich der OV Dessau mit der Verkehrswacht teilt.

Die Clubstation DK0ZAB des OV Dessau (W22) an der ehemaligen Startbahn 9 am Flughafen Dessau

Eindrucksvoll sind die Kurzwellenantennen, die das Herz der DXer höher schlagen lassen. Aber wirklich einzigartig ist ein beweglicher 10m Parabolspiegel, den der OV nach der Wende von staatlichen Organen der DDR „geerbt“ hat. Diese Antenne wurde offenbar zu DDR-Zeiten zur militärischen Satellitenbeobachtung eingesetzt. Damit konnte z.B. der militärische Funkverkehr von geostationären Satelliten abgehört und ausgewertet werden. Da diese Antenne auch heute noch voll funktionsfähig ist, kann sie seit dem Herbst 2000 nach Umbau auf das Amateurfunk-23 cm-Band von OV-Mitgliedern erfolgreich für EME-Versuche eingesetzt werden und machte DK0ZAB seitdem weltweit bekannt. Unter dieser Link kann man nachlesen und anhören, wie es OMs aus Dessau gelungen ist, diesen Spiegel wieder in Betrieb zu nehmen und wie sich das vom Mond reflektierte Signal anhört.

Die EME-Antenne des OV Dessau

Dass an Parabolspiegeln bei DK0ZAB kein Mangel herrscht konnten wir neben dem Gebäude der Clubstation sehen, wo der Grillplatz von einem alten Spiegel überdacht wird, sehr zur Freude von Peter, DJ7GP.

Peter, DJ7GP, unter dem Parabolspiel-Dach auf dem Grillplatz

Unser Besuch bei den Dessauer OMs wird uns unvergesslich bleiben und wir möchten uns auch an dieser Stelle nochmals herzlich für die freundliche Aufnahme bedanken und wünschen viel Erfolg auf allen Bändern und via Mond!

 

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